DER BETRIEB
Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht
Stand: Februar 2019

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DB vom 22.02.2019, Heft 08, Seite 409 - 418, DB1295645
Der Betrieb > Wirtschaftsrecht > Compliance > Aufsatz

Rechtsrahmen für das Krisenmanagement im Unternehmen

Prof. Dr. Michael Nietsch / RAin Dr. Sophia Habbe

Prof. Dr. Michael Nietsch ist Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Unternehmensrecht und Kapitalmarktrecht an der EBS Law School, Wiesbaden und Direktor des dort angesiedelten Center for Corporate Compliance. RAin Dr. Sophia Habbe ist Partnerin im Frankfurter Büro der Anwaltskanzlei Noerr; sie ist Co-Head der Praxisgruppe Compliance und Interne Ermittlungen. Die Verfasser danken Herrn Joel Schaaf, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, für die bei der Studie und Vorbereitung des Beitrags geleistete Unterstützung.

Nicht nur die Globalisierung, sondern auch die zunehmende Regulierung vieler Branchen legen zahlreiche Fallstricke für betroffene Unternehmen. Drohende Bußgelder und Reputationsschäden verstärken den Druck auf die Unternehmensführung, ein wirksames Risikomanagement einzurichten, welches die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sicherstellt. Die Vorteile einer eingerichteten Krisenmanagementfunktion schätzen insbesondere diejenigen, die selbst bereits von Unternehmenskrisen betroffen waren. Ausgehend von den Ergebnissen einer Studie wird im Folgenden der maßgebliche gesetzliche Pflichtenkanon des Krisenmanagements beleuchtet. Einen Schwerpunkt bildet dabei insbesondere die Frage der dahingehend bestehenden Organpflichten und der Zuständigkeitsordnung im Krisenfall.

Artikel-Inhalt

  • I. Einleitung
  • II. Krisenmanagement als Fragestellung
  • III. Aufbau und Studienergebnisse „Crisis Management 2018“
    • 1. Begriffsverständnis „Krise“
    • 2. Hauptrisikobereiche
    • 3. Risikofolgen
    • 4. Fallstricke beim Umgang mit Krisensituationen
    • 5. Organisation des Krisenmanagements
    • 6. Zwischenfazit
  • IV. Rechtsrahmen des Krisenmanagements
    • 1. Pflichten der Leitungs- und Aufsichtsorgane
    • 2. Krisenmanagement und Ermittlungsverfahren
    • 3. Sanktionsbemessung
  • V. Fazit

I.Einleitung

Der Begriff des Krisenmanagements wird bislang vor allem als ein solcher der Betriebswirtschaft wahrgenommen. Krisenursachen liegen allerdings zunehmend in Rechtsverstößen, und auch für das Krisenmanagement selbst lässt sich eine Verrechtlichung beobachten. Beides war Anlass zu einer im Jahr 2018 von den Verfassern zu der Thematik durchgeführten Studie. Der nachfolgende Beitrag stellt zunächst deren Ergebnisse vor. Er gibt insoweit einen Überblick über das, was sich beim Krisenmanagement als „State of the Art“ verstehen lässt. Nachfolgende Ausführungen richten den Blick auf ausgewählte Fragen des Rechtsrahmens des Krisenmanagements. Im Vordergrund stehen dabei die Pflichten von Vorstand und Aufsichtsrat sowie die Bedeutung des Krisenmanagements bei behördlichen Ermittlungen.

II.Krisenmanagement als Fragestellung

Das Auftreten von Krisensituationen stellt für Wirtschaftsunternehmen eine zunehmende Herausforderung dar. Die Gründe dafür sind vielfältig. So müssen Unternehmenskrisen

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