DER BETRIEB
Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht
Stand: April 2019

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DB vom 12.04.2019, Heft 15, Seite 797 - 803, DB1295676
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Alles zu seiner Zeit: Das Offenlegungsverhalten nicht kapitalmarktorientierter Unternehmen

StB Prof. Dr. Rolf Uwe Fülbier / Christian Wittmann / Jun.-Prof. Dr. Marcus Bravidor

StB Prof. Dr. Rolf Uwe Fülbier, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Rechnungslegung an der Universität Bayreuth.

Christian Wittmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Rechnungslegung an der Universität Bayreuth.

Jun.-Prof. Dr. Marcus Bravidor, Juniorprofessor für Betriebswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsprüfung, an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen sind typischerweise durch überschaubare Vertrags- und Adressatenstrukturen geprägt. Seit dem EHUG unterliegen sie aber auch verstärkter Transparenz aufgrund der Durchsetzung der Pflichtpublizität. Vor diesem Hintergrund wird das Offenlegungsverhalten anhand von über 5.000 Unternehmensbeobachtungen in den Jahren 2011 bis 2016 untersucht. Im Einklang mit der bisherigen Literatur zeigt sich, dass der Pflicht zur Offenlegung grds. zwar nachgekommen wird, das Diskretionspotenzial sich aber auf die Frage des Zeitpunkts verlagert. So wird die gesetzliche Frist von zwölf Monaten bei nur 38% der veröffentlichten Abschlüsse eingehalten. Detailanalysen zeigen, dass diese Verzögerung i.d.R. nicht dem Erstellungs- und Prüfungsprozess geschuldet ist. Unsere Ergebnisse deuten (rationale) Ausweichhandlungen mittelständischer Unternehmen im bestehenden handels- und gesellschaftsrechtlichen Korsett an.

Artikel-Inhalt

  • I. Einleitung und Problemstellung
  • II. Regulatorischer und ökonomischer Hintergrund der (Pflicht-)Publizität
    • 1. Gesetzlicher Rahmen
    • 2. Kosten und Nutzen der Publizität abseits des Kapitalmarkts
  • III. Bisherige Untersuchungen zur Publizitätspraxis
    • 1. Empirische Erkenntnisse vor EHUG
    • 2. Empirische Erkenntnisse nach EHUG
  • IV. Empirische Untersuchung zum Offenlegungszeitpunkt
    • 1. Datengrundlage und Vorgehensweise
    • 2. Deskriptive Ergebnisse
  • V. Zusammenfassung und abschließende Diskussion

I.Einleitung und Problemstellung

Die seit Mitte der 1980er Jahre xistierenden handelsrechtlichen Offenlegungspflichten spielten lange nur eine untergeordnete Rolle, da ihnen ein Großteil der KapGes. abseits der Kapitalmärkte schlichtweg nicht folgte. Dies schien bei mittelständisch organisierter Unternehmensaktivität in einem „credit- and insider-based financing system“ unproblematisch. Die meist überschaubare Zahl der Unternehmensbeteiligten erhielt hier entscheidungsrelevante Daten über einzelvertragliche Lösungen. Obwohl es aus Sicht der ökonomischen Regulierungstheorie also keinen zwingenden Handlungsbedarf gab, war der deutsche Gesetzgeber mit dem Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister (EHUG ) vom 10.11.2006 zur Umsetzung europarechtlicher Vorgaben (Publizitätsrichtlinie 68/151/EWG und 2003/58/EG, Transparenzrichtlinie 2004/109/EU) verpflichtet. Die handelsrechtliche Offenlegung wurde dadurch im Verfahren modernisiert und,

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