DER BETRIEB
Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht
Stand: Februar 2019

In 'Meine Akten' einfügen

DB vom 08.02.2019, Heft 06, Seite 263 - 269, DB1292751
Der Betrieb > Steuerrecht > Internationales Steuerrecht / Kapitalertragsteuer > Aufsatz

Cum/Fake-Transaktionen durch „Phantomaktien“ – Dividenden-Arbitrage „enhanced“?

RA/StB Dr. Marcus Helios / Philipp Gieffers

RA/StB Dr. Marcus Helios ist Partner und Philipp Gieffers ist Senior Consultant im Bereich Financial Services Tax der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Düsseldorf.

In den vergangenen Wochen wurden der breiten Öffentlichkeit durch Recherchen des WDR und der Süddeutschen Zeitung sog. „Cum/Fake-Transaktionen“ mittels „Phantomaktien“ bekannt. Die öffentlich zugänglichen Quellen lassen den Schluss zu, dass in dieser neuen „Spielart“ eine ungerechtfertigte Erstattung von deutscher Quellensteuer zulasten der Steuerzahler möglich gewesen sein soll. Als unmittelbare Folge der Veröffentlichung der Berichte wurde ein digitalisiertes Quellensteuererstattungsverfahren gestoppt. Gemeinsame Ermittlungen der Finanz- und Strafverfolgungsbehörden sollen den potenziellen Schaden für den Steuerzahler aufdecken.

Artikel-Inhalt

  • I. Einführung
  • II. American Depositary Receipts – Grundlagen
  • III. Pre-Release („Phantomaktien“) und Cancellation-Mechanismus
    • 1. Pre-Release von ADRs
    • 2. Pre-Release von ADRs mit anschließender Cancellation
  • IV. Untersuchungen der Aufsichtsbehörden
  • V. Steuerliche Folgen über den Dividendenstichtag
    • 1. Quellensteuerabzug und Steuerbescheinigung
    • 2. Zurechnung der Dividende
    • 3. Zuweisung des Besteuerungsrechts am Beispiel des DBA D/USA
    • 4. Quellensteuererstattung im Datenträgerverfahren (DTV)
    • 5. Mögliche ungerechtfertigte Erstattung von Quellensteuer bei vertragswidrigem Verhalten der Beteiligten
  • VI. Fazit

I.Einführung

Die unrechtmäßige Erstattung von Quellensteuer soll durch eine besondere Form der Emission von American Depositary Receipts (ADRs) ermöglicht worden sein. Solche Hinterlegungsscheine verbriefen aus US-amerikanischer Sicht das Recht an Aktien einer ausländischen Gesellschaft und verhelfen einer ausländischen Aktie zu einem Handel am US-amerikanischen Wertpapiermarkt. Vorrangige Zwecke sind die Vermeidung eines komplizierten Zulassungsverfahrens bei der Securities and Exchange Commission (SEC) sowie die Erschließung neuer Handelsplätze und der damit einhergehenden Erweiterung des Investorenkreises. Der Beitrag soll „Licht“ in die bisher nur in den Massenmedien geführte Diskussion bringen. Denn obwohl die Cum/Fake-Transaktionen dort bewusst in einem Atemzug mit Cum/Ex- und Cum/Cum-Geschäften genannt werden, unterscheiden sich diese grundlegend in ihrer Wirkungsweise und steuerrechtlichen Beurteilung. Einführend werden zunächst die (steuer-) rechtlichen Grundlagen von ADRs dargestellt.

div
Der Volltext dieses Inhalts steht exklusiv Abonnenten zur Verfügung.
Top