DER BETRIEB
Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht
Stand: Februar 2002

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DB vom 15.02.2002, Heft 07, Seite XVIII, DB0012504
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BAG: Bundesrichterin Meier-Scherling starb im 96. Lebensjahr

Im 96. Lebensjahr ist am 26. 1. 2002 in Kassel die Bundesrichterin i. R. Dr. Anne-Gudrun Meier-Scherling gestorben. Sie war am 7. 4. 1955 als erste Frau Richterin am wenige Monate vorher errichteten BAG in Kassel geworden und hat über 16 Jahre lang die Rechtsprechung des BAG entscheidend mit geprägt. Viele Grundsatzurteile, vor allem die ersten Entscheidungen zur Lohngleichheit zwischen Mann und Frau, tragen ihre Unterschrift.

Am 26. 7. 1906 in Stendal in der Altmark geboren, folgte Anne-Gudrun Scherling dem Beispiel ihres Vaters – der zuletzt Senatspräsident am OLG Hamm/Westfalen war – und studierte Jura. Am 25. 7. 1931 wurde sie in Berlin zum Dr. jur. promoviert.

1933 heiratete sie ihren Anwaltskollegen Heinz Meier, der 1947 in russischer Gefangenschaft verhungerte. Seit 1939 als Rechtsanwältin in Naumburg tätig, musste sie 1950 mit ihren drei Kindern aus politischen Gründen in den Westen fliehen.

In Dortmund begann sie den zweiten Teil ihrer juristischen Karriere: Landgerichtsrätin in Dortmund und Oberlandesgerichtsrätin in Hamm, wurde sie schließlich am 7. 4. 1955 Bundesrichterin am BAG in Kassel. Am 30. 9. 1971 trat sie in den Ruhestand. Ihre Leistungen um den Aufbau des BAG wurden mit der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.

Nachdem ein 1939/40 gebautes Haus in Naumburg, das nach ihrer Flucht Sitz des KGB und später des Staatssicherheitsdienst war, in den 90er Jahren an sie als Alleineigentümerin zurückgegeben wurde, schenkte Frau Dr. Meier-Scherling dieses Haus einer Gemeinnützigen GmbH, die darin eine Behindertenwerkstätte einrichtete.– Lö –

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